Elektrische Lenzpumpe

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Dieser Artikel basiert auf "Die elektrische Lenzpumpe" von Hans-Jürgen Staude, veröffentlicht in SEEKAJAK 44 (7/94)

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die volle Lenzbarkeit von seegehenden Kajaks mit geeigneten Pumpensystemen ist heute zum unbestrittenen Standard der Sicherheitsausrüstung geworden. Zunehmend finden Elektropumpen Verwendung. Sie haben den einleuchtenden Vorteil, daß während einer (Selbst-)rettung zum Pumpenbetrieb alle Hände frei bleiben, Füße oder Schenkel sich nicht bei der Pumpbewegung verkrampfen können, sondern eine normale Haltung einnehmen - besonders wichtig für die Bootsbeherrschung in einer kenterträchtigen Situation. Nachteilig wird die potentielle Störanfälligkeit einer elektrischen Schaltung beurteilt, die aber bei entsprechender Wartung ausgeglichen werden kann: Erkennt man bei einer Kontrolle der Kontakte eine ausgefranste Kabellitze, dann erneuert man sie eben. Das Mitführen einer Handpumpe oder eines Lenzbechers schafft zusätzliche Reserven. Kajaks mit einer eher weichen Schale sind nicht besonders begünstigt für den Einbau einer festen Handpumpe. Die hier vorgestellte Pumpe kann dagegen beliebig an Stringern von Faltbooten und Grönländern mit Riemen oder Gummistrops befestigt werden. Fertig käufliche E-Pumpen (z. B. Attwood) werden mit Ni-Cd - Akkus betrieben. Der hier verwendete Bleigelakku hat dagegen ein günstigeres Selbstentladeverhalten. Selbst nach einer Winterpause ist die Ladekapazität noch fast voll erhalten, NC-Akkus verlieren mit der Zeit an Ladung. Gerade im Kajak wird der Akku selten genutzt, die Leistung muß aber auch während einer längeren Urlaubsfahrt, bei der man nicht immer an ein Nachladen denken möchte, für den Notfall zum Pumpen voll verfügbar sein. Ich stelle die Pumpe als eine Selbstbaulösung hier auch mit dem Hintergedanken vor, daß andere ihre konkreten Pumpenideen einmal präsentieren. Prinzip Ein auslaufsicherer 12V-Bleigelakku wird in einem Rohr aus Sanitärrohr wasserdicht und rutschfest montiert. Damit wird eine Bilgepumpe betrieben, die über einen Schlauch das Wasser nach außen befördert.

Pumpe1.gif


Pumpe2.gif

Bauteile

  • 12V-Bleigelakku, Gewicht 990g, 2,3 Ah Kapazität, 177 x 34 x 60 mm; Preis 21,55€
  • dazu geeignetes Ladegerät, 27,95€
  • Tauchpumpe; 80 mm Ø, 135 mm Höhe; Leistung lt. Katalog 22 l/min; Preis 27,79€
  • graues Polyproylen - Sanitärrohrmaterial, Ø 70 mm: 1 Stück mit Revisionsöffnung und passendem Schraubdeckel, 1 Zwischenstück, 2 Steckdeckel. Im Baumarkt erhältlich.
  • 1 wasserdichte Kabeldurchführung. Yachtfachgeschäft.
  • 1 wasserdichter Kippschalter. Yachtfachgeschäft.
  • diverses Kleinmaterial: genügend Kabel, 6 Stecker, 2 Muffen
  • 1 Babyeinmalwindel, egal ob für Jongs oder Deerns.
  • ca. 1 m Schlauch mit 2 cm Innendurchmesser - korrosionsfeste Schlauchschelle



Baubeschreibung

  1. An einem der Rohrdeckel werden die nötigen Löcher zur Montage von Decksdurchführung und Kippschalter gebohrt. Dann werden die Teile sinngemäß zusammengeschraubt, als Dichtung kann Silikonmasse dienen.
  2. Das Pumpenkabel durch die Decksdurchführung schieben und einen Pol mit dem Schalter verbinden.
  3. Den Akku in das Rohr einfügen und die Windel so in die Zwischenräume stopfen, daß er im Rohr fixiert ist. Die Windel ist ebenfalls in der Lage, eventuell eingedrungene Feuchtigkeit aufzusaugen, was in der Praxis aber noch nicht nötig war.
  4. Die Kabelenden von Pumpe und Akku werden so miteinander verbunden, daß eine Muffe-Stecker-Verbindung leicht von der Revisionsöffnung zugänglich bleibt. Das Laden erfolgt durch die Revisions-Öffnung, nachdem die Kontakte des Akkus von der Pumpe getrennt wurden. Zum Transport der Pumpe z.B. in Faltbootpacksäcken trennt man eine der Steckverbindungen, damit sich der Schalter nicht versehentlich selbst einschaltet. Dabei sollte man darauf achten, daß der lose Kontakt keinen Kurzschluß erzeugen kann.
  5. Die Pumpe kann mit Gummistrammern beliebig an der Faltbootleiter oder an Stringern fixiert werden. Das Akkurohr wird z.B. an den Seitenwänden mit Riemen festgeschnallt. Den Schlauch mit der Schelle an der Pumpe fixieren. Für das Schlauchende muß eine Aussparung, je nach Bootstyp, z.B. in der Spritzdecke oder am Süllrand, geschaffen werden.


Pflege

  • Gelegentlich in Süßwasser zum Spülen laufen lassen.
  • Kontrolle, daß die Kabelummantelung nicht beschädigt oder abgeknickt ist. Sichtkontrolle der Litzen-Steckerverbindungen im Akkuteil.
  • Dichtung und Gewinde der Revisionsöffnung gelegentlich mit Vaseline schmieren.


Nachteile

  • Die Pumpe lenzt bauartbedingt nicht völlig trocken.
  • Bastelzeit 2 - 3 Std.


Hinweise

  • Statt eines Kippschalters kann auch ein Reedrelais mit Magnetschalter eingebaut werden.
  • Die Revisionsöffnung kann auch durch eine Variante ersetzt werden, bei der das Pumpenkabel zunächst getrennt und dann außerhalb der Röhre mit einem wasserdichten Stecker wieder verbunden wird. Laden und Trennung der Pumpe vom Akku für den Transport finden dann über den Stecker statt. Der Nachteil ist eine zusätzliche Schwachstelle, an der Wasser- und Korrosionsfestigkeit garantiert sein muß.
  • Manchmal kann man bei einem sehr bekannten Auktionshaus, gebrauchte Blei-Gel-Akkus ersteigern, welche aus Alarmanlagen-Anlagen stammen. Diese werden in regelmäßigen Abständen von 3-4 Jahren ausgetauscht. Und sind oft noch für einige Zeit zu gebrauchen. Für unter 10€ (inkl. Versand) kann man ab und zu 12V Akkus mit bis 12Ah erwerben.


Praxistest

Ermittelte Förderleistung: 10 l/ 28 sek. bei 30 cm Förderhöhe. Die Pumpe war kontinuierlich in Betrieb, wobei in regelmäßigen Abständen eine Messung stattfand. Die Leistung blieb über 20 min. konstant. Danach wurde der Test abgebrochen, um eine Tiefentlandung des Akkus zu vermeiden. Der Test fand 2 Monate nach der letzten Aufladung statt. Während dieser Zeit war die Pumpe kurzfristig in Betrieb, so daß auch eine Aussage zur Selbstentladung gegeben ist. Vorteile

  • Der Gelakku hat im Vergleich zu NC-Zellen eine sehr geringe Selbstendladung. Die Kapazität reicht für etwa 30 min Betrieb.
  • einfache, festinstallierbare Pumpe für jeden Bootstyp. Der Akkuteil selbst ist wasserdicht verkapselt und muß nicht entsprechend mit Kabel-durchlässen in einem Schott eingebaut werden.


Praktische Erfahrungen mit dieser Pumpe liegen seit 6 Jahren vor. Mechanische Pumpen, Lenzbecher sollten nicht vergessen werden, denn eine E-Pumpeinheit kann auch einmal defekt oder schlicht entladen sein.

Bezug: Elektronik-Versand Fa. Conrad, Klaus-Conrad-Str. 1, 92240 Hirschau, Tel. 09622-30111.


Weitere Links zu Lenzpumpen

  • Siehe auch die teils gegenläufigen Erfahrungen Roland Zinners, dargelegt im Artikel Lenzen!


Literatur


Artikel in Paddelzeitschriften

  • Hoh, Jürgen: Aus dem Wasser zurück ins Boot. (Lenzen/Wiedereinsteigen). In: "Kanumagazin" 7/2004, S. 56-57
  • Hagelstein, Olaf: Der (Ein-)Bau einer elektrischen Lenzpumpe. In: "Seekajak" 73/2000, S. 74-79